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Auf den Spuren der Wildkatze: Bürger werden zu Wissenschaftlern

Umweltministerium und BUND starten landesweites Projekt - Masgeik Stiftung und Naturpark Nassau helfen dabei

Um flächendeckend Daten zur Wildkatzenpopulation zu erhalten, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), gefördert durch das rheinland-pfälzische Umweltministerium und unterstützt vom Landesamt für Umwelt in Mainz, ein Projekt gestartet. Das Besondere daran: Der BUND setzt dabei zum einen auf die wissenschaftliche Bearbeitung durch mehrere Wildkatzenexperten und zum anderen auf die Mithilfe von Bürgern, die Beobachtungen und vor allem Totfunde melden und dokumentieren sollen. Darüber hinaus richtet, der BUND im ganzen Land Sammelstellen ein, zu denen ehrenamtliche Helfer die überfahrenen Wildkatzen bringen können.

Zwei dieser Sammelstellen befinden sich im nördlichen Rheinland-Pfalz. Das Gebiet östlich des Rheins wird durch die Masgeik-Stiftung in Molsberg, Westerwaldkreis und den Naturpark Nassau im Rhein-Lahn-Kreis abgedeckt.

Zum Hintergrund: In Rheinland-Pfalz leben schätzungsweise inzwischen mehr als 3.000 Wildkatzen. Das Tier des Jahres 2018 hat hier seinen deutschlandweiten Verbreitungsschwerpunkt. Genaue flächendeckende Daten zur Population, Verbreitung und auch zu Gefährdungsursachen fehlen allerdings bisher. Doch das soll sich bald mit dem Totfundmonitoring von BUND, Umweltministerium und Landesamt für Umwelt, das in Kooperation mit dem Landesjagdverband und dem Landesforsten RLP nun ins Leben gerufen wird, ändern.

Jedes Jahr werden dem BUND zahlreiche tot aufgefundene Wildkatzen, meist Verkehrsopfer, gemeldet. Daran knüpft das Monitoring an. Denn um diese toten Tiere besser untersuchen zu können, etabliert der BUND in den kommenden zwei Jahren ein landesweites Sammlernetzwerk aus ehrenamtlichen Helfern und Sammelstellen. Die gesammelten Totfunde werden dann von den Wildkatzenexperten des Instituts für Tierökologie und Naturbildung, dem Büro Ökolog Freilandforschung sowie der Will und Liselott Masgeik-Stiftung genauer untersucht. Die Analyse soll neben der Verortung von besonderen Gefahrenstellen etwa im Straßenverkehr auch Aussagen zum Alter, Fortpflanzung, Geschlechterverhältnis und körperlicher Verfassung liefern. Ziel ist es, durch neue Erkenntnisse Schutzmaßnahmen gezielter zu identifizieren und anschließend auch umsetzen zu können.

Um flächendeckende Daten zu erlangen, ist das Projekt auf die Mithilfe von aufmerksamen Bürgern angewiesen, was als „Citizens Science“ bezeichnet wird. Aber was müssen die Bürgerwissenschaftler machen?

Wer eine tote Wildkatze entdeckt, sollte dies unter wildkatzenfund@wildkatze-rlp.de  melden. Die Finder werden daraufhin gebeten, einen Meldebogen auszufüllen. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten sollen die Funde durch die ehrenamtlichen Sammler aufgenommen und an die Sammelstellen gebracht werden. 

Nördlich der Autobahn 48 beziehungsweise der Autobahn 3 sollen die Totfunde dem Biologen Philipp Schiefenhövel der Masgeik-Stiftung per E-Mail an ps@masgeik-stiftung.de oder unter der Telefonnummer 06435/1368 gemeldet oder direkt nach Molsberg gebracht werden (Am Hartenberg 1, 56414 Molsberg). Meldungen zu Funden südlich der beiden Autobahnen gehen an den Naturparkreferenten Stefan Eschenauer vom Naturpark Nassau, Bachgasse 4 in 56377 Nassau: E-Mail info@naturparknassau.de oder 02604/4368. Dort können die toten Tiere, in einer extra vom BUND bereitgestellten Kühltruhe gelagert und dann zur Untersuchung an die Masgeik-Stiftung weitergegeben werden.

Hinweis: „Die Sicherheit des Melders und der ehrenamtlichen Sammler hat selbstverständlich oberste Priorität. Das Einverständnis des zuständigen Jagdausübungsberichtigten vorausgesetzt, sollten Sie nur dann eine überfahrene Wildkatze aufnehmen, wenn es die Verkehrslage am Fundort zulässt. Außerdem ist das Anhalten an Bundesautobahnen generell verboten“, betont Diplom-Biologe Schiefenhövel.

Charlotte Reuter, Leiterin des Monitoringprojektes merkt an, „dass für das Abliefern eines Wildkatzenfundes in die jeweilige Sammelstelle vom BUND eine Aufwandsentschädigung von 15 Euro gezahlt wird und ruft alle engagierten Wildkatzen-Interessierten dazu auf, sich unter charlotte.reutter@bund-rlp.de bei ihr zu melden“.

Finanziert wird das zweijährige Projekt übrigens durch das Umweltministerium des Landes Rheinland-Pfalz. Im Rahmen der „Aktion Grün“ soll das Artensterben gestoppt werden. Ausgewählte Leitarten wie die Wildkatze werden über gezielte Maßnahmen gefördert, und ihr Lebensraum wird geschützt.

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